Historie
1920
Am 16. November 1920 finden sich 12 Potsdamer Segler zusammen und gründen den Potsdamer Segler-Club »Wiking« e.V. Zum 1. Vorsitzenden wird Bernhard Gründer und zum Segelmeister Otto von Domarus gewählt.
1921
1921 erhält der Verein ein Grundstück an der “Vorderkappe”, einer Havelbucht nahe dem Zentrum der Residenzstadt Potsdam. Im Mittelpunkt des Vereinslebens stehen von Anbeginn die gemeinsame Wanderfahrten an den Wochenenden und im Urlaub sowie der sportliche Wettkampf bei Regatten. Regattareviere sind insbesondere der Templiner See und der Zernsee bei Werder.
1924
1924 hat der Verein 38 Mitglieder mit 27 Booten. Die Stadt Potsdam läßt 1924/25 auf dem Gelände des Potsdamer Luftschiffhafens ein großzügig angelegtes Sport- und Erholungsgebiet entstehen, das eine ca. 1000 m lange Wasserfront am Templiner See besitzt. Mit der ersten “Allgemeinen Wassersportausstellung AWA” wurden die Sportstätten im Mai 1925 eingeweiht.
Der Templiner See entwickelte sich zu einem Zentrum des Wassersports für Ruderer, Kanuten, Segler und Motorbootsportler. Das Regattahaus wurde eigens für die wassersportlichen Veranstaltungen erbaut. Viele große Wassersportveranstaltungen fanden hier statt. Besonders hervorzuheben sind die großen Frühjahrsregatten des Deutschen Segler Bundes jeweils im Mai. Und die “Wikinger” sind immer dabei, veranstalten hier auch ihre internen Regatten und Freundschaftswettkämpfe mit anderen Vereinen. Aber nicht nur auf heimischen Gewässern sind die “Wikinger” aktiv und können viele Preise und Pokale erringen.

1925
Ein besonderer Erfolg für die Wikinger ist der Sieg von Walter Schmidt bei den Bundesmeisterschaften in der nationalen Binnenjollenklasse.

1941
Der 2. Weltkrieg hinterlässt auch im PSCW seine Spuren. Viele Mitglieder sind an der Front und die ersten Todesmeldungen treffen ein. Doch hier bewährt sich die in vielen Jahren gewachsene Kameradschaft. Der Vorstand hält intensiven Kontakt mit allen an der Front kämpfenden Mitgliedern, z.B. durch das Weihnachtsheft 1941 “Wikinger Heimatgrüße”, einer kleinen, mit Fotos illustrierten Broschüre, in der ausführlich über die Arbeit des Vereins im Jahr 1941 berichtet wird und das an alle Frontkämpfer verschickt wird.
Aber die Front rückt immer näher nach Berlin. Durch den verheerenden Luftangriff auf Potsdam am 14. April 1945 wurde auch das Gelände des PSCW durch Bomben in Mitleidenschaft gezogen. Viele Boote waren zerstört und das Clubhaus sowie die anderen Gebäude und die Steganlagen stark beschädigt. Das unbeaufsichtigte Gelände war der Plünderung preisgegeben. Alles was zum Ausbessern von Kriegsschäden oder als Brennmaterial verwendet werden konnte, verschwand nach und nach.
Mit dem Ende des 2. Wel tkrieges schien auch das Ende dieses bis dahin so aktiven Sportvereins gekommen.
Potsdam tritt noch einmal in den Vordergrund der Geschichte. Am 17. Juli 1945 treffen sich die Repräsentanten der Siegermächte des 2. Weltkrieges und verabschieden das “Potsdamer Abkommen”, das den Grundstein für die Teilung Deutschlands legt, die fast bis zum Ende dieses Jahrhunderts andauern sollte. Potsdam liegt in der sowj. besetzten Zone und gehört damit zur 1949 gegründeten DDR.
Damit war auch die weitere Zukunft des organisierten Sports vorgezeichnet, der nur noch im Rahmen des staatlich gelenkten Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB) möglich war.
1950
1950 gründet Wolfgang Hayn beim Bezirksvorstand Potsdam der Maschinen-Ausleih- Stationen (BV-MAS) eine Betriebssportgruppe Segeln. Gründungsmitglieder waren u. a. die Sportsfreunde Arndt, Kräuslich, Till und Schulz. Das erste Boot war ein Kielschwertkreuzer.
1952
1952 wurde diese Sportgruppe dann in die “Betriebssportgemeinschaft Traktor Potsdam” (BSG), einem Zusammenschluss aller Betriebssportgruppen die zur Gewerkschaft Land- und Forstwirtschaft gehörten, integriert. Erster Vorsitzender der Sektion Segeln wurde Wolfgang Hayn.
Jetzt existierten bereits weitere 4 Jollen.
Die Sektion Segeln (auch der Sprachgebrauch hatte sich unter den neuen politischen Verhältnissen geändert) erhielt ein Grundstück auf der “Oberen Planitzinsel”, wenige hundert Meter entfernt und im Sichtbereich des alten PSCW-Grundstücks. Das Gelände, das uns von der Stadt Potsdam zugewiesen wurde, war ein ehemaliger Bootsplatz mit einigen baufälligen Bootshäusern. Die Eigentümer lebten im “Westen” und als Verwalter fungierte die Grundstücksverwaltung der Stadt Potsdam.
Hier fand sich bald eine Anzahl segelsportbegeisterter junger Leute zusammen, die versuchten, wieder eine Sportgemeinschaft aufzubauen. Der Zufall wollte es, daß darunter auch ehem. “Wikinger”, bzw. Kinder ehemaliger “Wikinger” waren.
Zunächst gab es nur einige “volkseigene” Boote, aber nach und nach kamen auch private Boote hinzu. Aus finanziellen Gründen handelte es sich fast ausschließlich um kleinere Jollen und der “Pirat” wurde immer mehr zum Standardboot unserer Sektion. Bereits 1955 konnten bei lokalen Regatten erste Preise errungen werden.
1959
1959 hatte die Sektion 16 Mitglieder, davon waren nur 2 über 35 Jahre alt, und einen Bootsbestand von 9 Booten.
Ein Schwerpunkt der Arbeit lag in dem Bemühen, auf dem Grundstück die Voraussetzungen für einen ordnungsgemäßen Sportbetrieb zu schaffen. Alle Arbeiten, wie die Reparatur der Bootsschuppen, der Bau von Steganlagen usw., wurden grundsätzlich in Eigenleistung erbracht. So war festgelegt (1955) , daß jedes Mitglied 55 Arbeitsstunden pro Jahr leisten mußte. Aber die Begeisterung war so groß, daß der Großteil der Mitglieder weit über 100 Std./Jahr leisteten.
Das Segeln wurde natürlich nicht vergessen. Jedes Jahr zum Pfingstfest veranstalteten wir eine Gemeinschaftsfahrt, die viele Jahre lang den Ort Klein Kreuz, kurz vor Brandenburg, mit der Gaststätte von “Onkel Wilhelm”, zum Ziel hatte.
Auch das Regattasegeln stand hoch im Kurs. So organisierten wir z.B. 1961 einen Bootstransport von 4 Piraten mittels Lkw zur “Werbellinsee-Regatta”. Und dies wurde dann viele Jahre zur Tradition, so auch 1963, wo wir mit 8 Booten per Lkw mit Hänger auf Fahrt gingen.
Aber auch auf dem Wasserweg wollten wir fremde Segelreviere erreichen und so konnten wir, wiederum in Eigenleistung, ein zur Verschrottung vorgesehenes Schleppboot wieder fahrtüchtig machen und mit unserem “Käp’ten Bumm” eine Schleppfahrt mit 10 Booten zum Plauer See in Mecklenburg zur “Mecklenburger Segelwoche” unternehmen.
1962
Im Frühjahr begannen wir mit einer grundlegenden Umgestaltung unseres Sektionsgeländes. Dank des persönlichen Einsatzes unseres Sektionsleiters Wolfgang Hayn und der finanziellen Unterstützung durch den Rat der Stadt Potsdam wurden im Uferbereich des Grundstückes Baggerarbeiten durchgeführt und das sumpfige Gelände durch Anfuhr von Sand aufgefüllt. Riesige Sandberge türmten sich nun dort , wo bis dahin dichtes Weidengestrüpp den Blick zum Bootssteg verwehrte.
Obwohl auch bisher den Arbeitseinsätzen immer eine hohe Priorität eingeräumt wurde, begann jetzt eine Arbeitsintensität, die alles bisher Geleistete in den Schatten stellte. Arbeitsstunden in einer Größenordnung von mehr als 200 Std. pro Jahr war bei vielen Mitgliedern keine Seltenheit.
Ein Großteil des gesamten Geländes wurde planiert und auch Neuland hinzugewonnen, ein neues Bollwerk und in zwei Etappen ein neuer Bootsschuppen einschließlich eines Clubhauses und einer Werkstatt gebaut.
Aber immer waren alle diese Arbeiten nur Mittel zum Zweck. Nie haben wir das eigentliche Anliegen, die gemeinsame Ausübung des Segelsportes zur Freizeitgestaltung und den sportlichen Wettkampf, aus den Augen verloren.
1962 veranstaltet unsere Sektion ihre erste eigene Regatta. Die “Traktor-Regatta” wurde zum festen Bestandteil des Terminkalenders in Potsdam und erfreute sich zunehmender Beliebtheit. 1977 und 1984 konnten wir einen Teilnehmerrekord von 135 bzw. 136 Booten verzeichnen. Und auch in diesem Jahr laden wir wieder alle Regattasegler ein, diesmal nun zur “Wiking-Regatta”.
1966
Mehr als ein Jahrzehnt war seit der Gründung der Sektion Segeln vergangen und aus den jungen Leuten von einst, waren inzwischen Ehemänner und Familienväter geworden. Der Wunsch nach größeren und komfortableren Booten wurde immer stärker. Aber die Anschaffung größerer Boote scheiterte meist an den fehlenden finanziellen Mitteln. Und es wurde aus der Not eine Tugend. Wieder hieß das Zauberwort - Eigenleistung- . So begannen mehrere Mitglieder mit dem Eigenbau von Stahljollenkreuzern. Etwa 10 bis 15 solcher Stahlkörper entstanden, teils auf dem Bootsplatz, aber auch an anderen Standorten. Und noch heute, mehr als 30 Jahre später, liegen noch immer fünf Stahljollenkreuzer und ein Kielschwertkreuzer aus dieser Zeit an unserem Steg und werden fleißig gesegelt. Trotzdem blieb der Pirat noch lange das bevorzugte Regattaboot und unsere Piratensegler belegten bei Regatten auf allen Revieren der DDR erste und vordere Plätze. Zwei Namen sollen stellvertretend für viele hier genannt werden, Peter Noske und Günter Verleih, die durch ihre herausragenden Leistungen den Namen “Traktor Potsdam” auf allen Segelrevieren bekannt gemacht haben.
Aber auch der Freizeit- und Erholungssport hatte einen hohen Stellenwert. Im Rahmen des “Fahrtenwettbewerbes” beteiligten sich viele unserer Mitglieder und bewiesen ihr sportliches Können bei Langstreckenfahrten. Übrigens, der “Fahrtenwettbewerb”, der zu einer sportlichen Massenbewegung in der DDR wurde, hatte seinen Ursprung in unserer Sektion. Auf Initiative unseres Sportsfreundes Wolfgang Hayn wurde dieser Wettbewerb 1957 ins Leben gerufen und W. Hayn ins Präsidium des Bundes Deutscher Segler berufen, um als Leiter der Fahrtenkommission diese massensportliche Initiative zu organisieren.
Ein besonderer Höhepunkt im Leistungssport unserer Sektion war der Sieg der Sportsfreunde Paul Danelak und Klaus Kettner bei den Deutschen (DDR) Meisterschaften 1972 in Schwerin in der Klasse der 15 m² - Wanderjollen (H-Jollen).
1972
Sieg bei den Deutschen (DDR) Meisterschaften in der Klasse der 15 m² - Wanderjollen (H-Jollen) durch Paul Danelak und Klaus Kettner
1980
1980 saßen einige Piratensegler der Sektion zur Herbstregatta in Rangsdorf beisammen und beschlossen, aufgrund der oft milden Witterung im Dezember, doch Anfang Dezember, so zu Nikolaus, eine Regatta zu segeln. Nur so zum Spaß des eigenen und der angrenzenden Vereine.
Der Auftakt, die Erste, fand dann bei wunderschönem Winterwetter, -10°C, herrlichem Sonnenschein und leichtem Wind, statt. Der Schnee reichte aus, um die Boote ohne Slipwagen zu Wasser zu bringen, einige Eisschollen bedeckten das Wasser und am Start waren elf Mannschaften. Die “Nikolaus-Regatta” war geboren.
Schnell sprach es sich in Piratenkreisen herum und die Teilnehmerzahlen stiegen rasch an. Die Segler kamen von überall her, von allen Segelrevieren der DDR, und natürlich aus der großen Umgebung von Potsdam und Berlin. Spitzenbeteiligung war 1987 mit 77 Mannschaften!
So gingen die Jahre dahin, mit vielen sportlichen Höhepunkten und herausragenden Leistungen unserer Mitglieder.
Das Jahr 1989 brachte dann im Zuge der politischen Umgestaltungen mit der Wiedererlangung der deutschen Einheit auch die Auflösung des Deutschen Turn- und Sportbundes und unserer Betriebssportgemeinschaft. Da mußte auch unsere Sektion eine Entscheidungen über die weitere Zukunft treffen und so kam es, daß unter Rückbesinnung auf die Wurzeln, am 14.Juni 1990 aus der Sektion Segeln der BSG Traktor wieder ein Potsdamer Segler-Club »Wiking« entstand, in dessen Satzung ausdrücklich auf die Fortführung der alten Traditionen verwiesen wird.
1987
Rekordbeteiligung bei der Nikolausregatta mit 77 Booten
1990
Aus der Sektion Segeln der BSG Traktor wird wieder der Potsdamer Segler-Club Wiking
2010
Am 16. November 2010 feierte der Verein sein 90-Jähriges bestehen
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